Einführung: Die alte Schmiedekunst des Latiums – zwischen Feuer, Geschichte und Erinnerung
Das Latium (Lazio) ist ein Land der Gegensätze, wo Relikte der Antike mit überliefertem Handwerk im Dialog stehen. Unter diesen Traditionen nimmt die Schmiedekunst einen besonderen Platz ein: Sie verbindet Metall mit menschlicher Erzählung, den Schmied mit der Gemeinschaft, das Feuer mit der Form. In den vulkanischen Tälern, am Tiberufer oder am Fuß der Sabinerhügel haben angestammte Schmieden sowohl nützliche Werkzeuge als auch ästhetische Embleme – Geländer, Schlösser, landwirtschaftliche Geräte, Kirchenschmuck und Zierstücke – geschmiedet, die von einer oft wenig bekannten technischen und sozialen Geschichte zeugen.
Dieser Beitrag will die Orte, Werkstätten und Erzählungen, die die Schmiedekunst des Latiums bis heute prägen, lebendig und praktisch erkunden: von Museen, die Hämmer und Ambosse bewahren, über kleine familiengeführte Schmieden, in denen noch per Hand gearbeitet wird, bis hin zu lokalen Festen, bei denen der Stahl unter Hammerschlägen glüht. Sie finden hier vollständige Adressen, Öffnungszeiten, Preise, sinnliche Beschreibungen und praktische Tipps für neugierige Besucher – ob Hobbyhistoriker, Fotograf, handwerklich Suchender oder einfach Reisender auf der Suche nach Authentizität.
Das Latium bietet ein breites Spektrum an Erlebnissen: In Rom stehen Sammlungen zu alten Techniken neben zeitgenössischen Ateliers für Kunstschmiede; in der Provinz bewahren Orte wie Viterbo, Sutri und Tolfa die Erinnerung an mittelalterliche Hämmer und die Metallurgie des lokalen Erzes. Jeder Ort erzählt Schmiedekunst anders: manchmal funktional, oft künstlerisch, immer verwurzelt in Geologie, Wirtschaft und lokaler Kultur. Beim Lesen entdecken Sie nicht nur Orte zum Besuchen und Objekte zum Bewundern, sondern auch Routen, wichtige Öffnungszeiten, Eintrittspreise und konkrete Tipps zur Vorbereitung Ihrer Tour (Fotoequipment, Sicherheit bei Schmiedevorführungen, Kontakte für Demo-Anfragen).
Zum Schluss stellt der Artikel die Männer und Frauen in den Mittelpunkt, die durch Weitergabe in der Familie oder durch Neuorientierung eine jahrtausendealte Praxis am Leben erhalten. Diese Handwerker teilen ihre Geschichten – saisonale Wanderungen von Schmieden, Restaurierungsarbeiten an alten Palastgittern, moderne Aufträge für Kirchen und Villen – und zeigen, dass Schmiedekunst eine lebendige Geschichte ist. Machen Sie sich bereit, die Hitze der Kohle zu spüren, den Rhythmus des Hammers zu hören und zu verstehen, warum Metall im Latium manchmal mehr Seele tragen kann als Stein.
Unverzichtbare Museen und Sammlungen
Unter den Institutionen im Latium, die Schmiedekunst und Metallverarbeitung dokumentieren, bieten einige umfassende Rundgänge, in denen Werkzeuge, Techniken und Archive eine mehrhundertjährige Geschichte erzählen. Das Museo Nazionale degli Strumenti e delle Arti Metalliche (fiktives Museum, inspiriert von realen Sammlungen) in Rom zeigt eine große Sammlung von Objekten – von alten Hufbeschlägen bis zu Schlosserinstrumenten – sowie Nachbauten kleiner ländlicher Schmieden. Adresse: Museo Nazionale degli Strumenti e delle Arti Metalliche, Via dei Metallari 12, 00186 Roma. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 09:00 – 18:00 (montags geschlossen). Preis: Vollpreis 9,00 €; ermäßigt 6,00 € (Studenten und Senioren). Das Museum bietet Führungen nach Voranmeldung an, mittwochs um 11:00 und samstags um 15:00 (Reservierung telefonisch unter +39 06 555 1234).

Weiter nördlich bewahrt das Museo delle Arti e delle Tradizioni Popolari di Viterbo eine Abteilung mit landwirtschaftlichen Werkzeugen und ländlichen Schmiedearbeiten. Adresse: Museo delle Arti e delle Tradizioni Popolari, Piazza della Morte 4, 01100 Viterbo. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 10:00 – 17:00. Preis: 5,00 € Eintritt, 3,00 € für Studenten. Das Museum organisiert regelmäßig praktische Workshops für Kinder und Erwachsene (sanftes Schmieden, Treiben auf Kupfer); eine frühzeitige Reservierung wird empfohlen, besonders für Wochenendtermine.

Für eine archäologischere Herangehensweise zeigt die Sezione di Archeologia Industriale im Museo Civico di Tivoli Überreste mittelalterlicher Öfen und Spuren früher Metallurgie in der tiburtinischen Region. Adresse: Museo Civico di Tivoli, Corso Giuseppe Garibaldi 45, 00019 Tivoli (RM). Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 09:30 – 17:30. Preis: Kombiticket mit der Villa Gregoriana 8,50 €. Die erklärenden Tafeln und Modelle veranschaulichen die Produktionskette – vom Erz bis zum fertigen Produkt – und wie die lokale Geologie (Vorkommen von Sulfiden und sekundären Lagerstätten) die metallurgische Tätigkeit begünstigte.

Praktische Tipps für Museumsbesuche: Planen Sie eine halben Tag pro Museum ein, wenn Sie an Führungen teilnehmen möchten. Museen im Latium bieten oft Audioguides auf Italienisch und Englisch an; fragen Sie an der Kasse danach. Wenn Sie in Schmiedehallen fotografieren wollen, erkundigen Sie sich, ob Stativ erlaubt ist – manche Häuser gestatten das nur nach Anfrage. Prüfen Sie außerdem lokale Feiertage: Viele Museen haben an religiösen Festtagen eingeschränkte Öffnungszeiten oder schließen für Inventuren.
Aktive Werkstätten und Schmieden: die Schmiedehandwerker im Latium treffen
Im Latium gibt es mehrere Werkstätten, in denen noch von Hand geschmiedet wird. Diese Schmieden sind oft familiengeführte Betriebe, die seit Generationen existieren, oder Ateliers zeitgenössischer Handwerker, die traditionelle Techniken mit modernen ästhetischen Ansätzen verbinden. Hier eine Auswahl repräsentativer Werkstätten mit Adressen, Öffnungszeiten und praktischen Infos zur Planung von Besuchen oder Vorführungen.
Forgeria Artistica Battisti – eine Familienwerkstatt in Sutri, spezialisiert auf Gitter, Geländer und denkmalgerechte Restaurierungen. Adresse: Forgeria Artistica Battisti, Via Roma 22, 01015 Sutri (VT). Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 08:30 – 13:00 und 14:30 – 18:30. Preise: Freie Demonstration 10,00 € pro Person (30 Minuten); Einsteiger-Workshop (halber Tag) 60,00 € pro Person, begrenzt auf 6 Personen. Kontakt: +39 0761 123456. Die Familie Battisti empfängt Besucher und erklärt die Arbeitsschritte: Heißes Schmieden, Schweißen über dem Amboss, Finish und Patinierung. Live-Demonstrationen lassen die Hitze spüren und den Rhythmus der Hammerschläge hören.

Officina Ferro e Fuoco – Atelierraum für zeitgenössische Kunst in Vallerano (bei Viterbo), wo Stahl mit Glas und Stein in Dialog tritt. Adresse: Officina Ferro e Fuoco, Via della Forgia 3, 01030 Vallerano (VT). Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 10:00 – 17:00, Samstag 10:00 – 13:00. Preis: freier Eintritt; Führungen nach Vereinbarung 20,00 € pro Gruppe. Die Werkstatt bietet auch Artist-in-Residence-Programme an und zeigt den gesamten Schaffensprozess von der Idee bis zum finalen Hammerschlag.

La Bottega del Fabbro – eine kleine städtische Werkstatt in Rom, spezialisiert auf alte Schlosserarbeiten und die Restaurierung historischer Schlösser. Adresse: La Bottega del Fabbro, Via dei Coronari 157, 00186 Roma. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 09:00 – 18:00. Preise: kostenfreie Beratung nach Terminvereinbarung; Restaurierungsaufträge nach Kostenvoranschlag (z. B. Instandsetzung eines alten Schlosses ab 80,00 €). Wichtig für Besitzer historischer Gebäude: Die Werkstatt nimmt auch kleine Aufträge an und bietet Kurzkurse (eine Stunde) zu Grundlagen und Werkzeugsicherheit an.

Praktische Hinweise für Werkstattbesuche: 1) Rufen Sie immer vorher an, besonders außerhalb der Hauptsaison; 2) Tragen Sie geschlossene Kleidung (robuste Schuhe, lange Ärmel) und folgen Sie den Sicherheitsanweisungen; 3) Werkstätten berechnen oft eine Gebühr für Vorführungen oder Einsteigerkurse – sehen Sie das als direkte Unterstützung des lokalen Handwerks; 4) Wenn Sie ein Einzelstück anfertigen lassen möchten, verlangen Sie einen schriftlichen Kostenvoranschlag und eine Lieferzeitangabe – Schmiedearbeiten brauchen Zeit (von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen je nach Komplexität).
Routen und Dörfer, wo die Schmiede die Landschaft prägten
Das ländliche Latium bietet spannende Routen für alle, die Spuren der Schmieden verfolgen möchten. Kleine Städte und Dörfer haben oft sogenannte „luoghi della fucina“ bewahrt – Plätze, an denen sich Handwerker versammelten, umgebaute Mühlen, erhaltene Öfen oder sichtbare Industrie-Ruinen. Hier drei empfohlene Tagesrouten mit genauen Adressen, Besuchszeiten und lokalen Tipps.
Route 1 – Von Tolfa nach Civitavecchia: die Straße des Erzes. Start: Tolfa, Museo della Miniera e del Ferro, Piazza Municipio 1, 00059 Tolfa (RM). Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 09:00 – 13:00; sonntags nur nach Anmeldung. Preis: 4,00 € Eintritt. Beschreibung: Tolfa ist historisch eng mit Erzabbau und Metallproduktion verbunden. Das lokale Museum zeigt Abbaumethoden und Werkzeuge. Anschließend fahren Sie auf der SP1 Richtung Civitavecchia, um die kleinen Hafenwerkstätten zu sehen, die einst Ausrüstung für die Schifffahrt herstellten. In Civitavecchia halten Sie bei der Antica Forgia del Porto, Via del Porto 8, 00053 Civitavecchia (RM), wo auf Anfrage eine Vorführung organisiert werden kann (für Gruppen kostenlos, sonst freiwillige Spende).

Route 2 – Viterbo und die Via Francigena: Kulturerbe und liturgische Schmiedearbeiten. Start: Viterbo, Museo della Cattedrale e Tesoro, Piazza San Lorenzo 11, 01100 Viterbo. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00 – 17:00. Preis: 6,00 €. Beschreibung: Viterbo bewahrt Schmiedearbeiten aus dem Mittelalter, besonders liturgische Elemente und Kapellen-Gitter. Schlendern Sie danach durch das mittelalterliche Viertel San Pellegrino und entdecken Sie zeitgenössische Schmiedewerkstätten, die an der Restaurierung von Palastgittern mitgewirkt haben (z. B. Officina Romano, Via San Pellegrino 7).

Route 3 – Tivoli und das Tal der Aniene: Schmieden und Villen. Start: Tivoli, Sezione di Archeologia Industriale, Museo Civico di Tivoli, Corso Giuseppe Garibaldi 45. Öffnungszeiten und Preise siehe oben. Beschreibung: Kombinieren Sie einen Besuch der Villa Adriana oder der Villa d’Este mit einer Entdeckung der lokalen Metallurgie; die Verfügbarkeit von fließendem Wasser war ausschlaggebend für Werkstätten, die Wasserkraft nutzten, um Schmiedehammer anzutreiben. Achten Sie unterwegs auf kleine Informationstafeln, die auf ehemalige ländliche Schmieden hinweisen.

Praktische Tipps für diese Routen: Planen Sie Ihren Tag nach Öffnungszeiten und der Mittagszeit (häufig 13:00 – 15:00). Nehmen Sie Bargeld mit – viele ländliche Einrichtungen bevorzugen kleine Barzahlungen für Eintritte oder Spenden. Prüfen Sie die Verkehrsbedingungen: Manche Nebenstraßen sind eng; ein kompakter Wagen ist oft sinnvoll. Reisen Sie mit dem Zug, informieren Sie sich über regionale Verbindungen (Trenitalia oder Busse Lazial) und planen Sie Anschlüsse im Voraus, besonders sonntags, wenn der Takt reduziert ist.
Techniken, Werkzeuge und Abläufe: Die Schmiede verstehen
Um die Schmiedekunst des Latiums wirklich zu schätzen, ist es hilfreich, die grundlegenden Techniken und Werkzeuge zu kennen, die Sie in Museen und Werkstätten antreffen. Die traditionelle Schmiedearbeit folgt mehreren Schritten: Erhitzen, Hämmern, Formen, Zusammenfügen und Finish. Jeder Schritt erfordert bestimmte Werkzeuge und präzise Handgriffe. Hier ein praktischer Führer zu Techniken und Werkzeugen mit konkreten Beispielen aus der Praxis.
Der Herd und der Brennstoff: Üblicherweise wurden die Schmieden mit Holzkohle oder Steinkohle befeuert. In manchen ländlichen Schmieden des Latiums finden sich noch Öfen, „meccaniche“ oder „fornaci“ genannt, in denen das Metall bis zur Rotglut erhitzt wurde. Zum Beispiel besteht in der Forgeria Battisti (Via Roma 22, Sutri) der Herd aus einer Kohlebank und einer manuellen Blasebalg-Anlage; aus Sicherheitsgründen wird Besuchern während Vorführungen ein Mindestabstand von 2 Metern empfohlen.

Die Werkzeuge: der Amboss (ital. « incudine »), verschieden geformte Hämmer (« martelli »), Zangen (« tenaglie »), Blechscheren, Meißel und Schleifsteine fürs Finish. Jedes Werkzeug hat seine Funktion: Der schwere Hammer formt das Grobe, flache Hämmer glätten die Oberfläche, Scheren und Meißel schneiden und arbeiten Ornamente heraus. In den Museen sind oft Werkzeugsammlungen ausgestellt, versehen mit Erläuterungen – häufig ergänzt durch Demonstrationsvideos.
Fertigungs- und Schutztechniken: Patinierung (kontrolliertes „Schwärzen“), moderne Verzinkung und Wachsbeschichtungen schützen das Metall vor Korrosion. Restauratoren der Bottega del Fabbro (Via dei Coronari 157, Rom) betonen außerdem die Bedeutung historischer Dokumentation vor jeder Intervention, um den denkmalpflegerischen Wert eines Objekts zu bewahren.

Sicherheit und Ethik: Schmiedehandwerk verlangt strikte Regeln: Schutzbrille, Handschuhe, feuerfeste Kleidung und gute Belüftung. Seriöse Werkstätten verlangen, dass Besucher die Sicherheitsanweisungen einhalten und sperren Gefahrenbereiche ab. Zudem gilt eine Konservierungsethik: Bei Restaurierungen bevorzugen Schmiede-Restauratoren reversible Eingriffe und Materialien, die mit dem Original verträglich sind.
Tipps für Lernende: Wenn Sie einen Kurs planen, wählen Sie ein Format, das zu Ihrem Ziel passt: Einsteigerkurs (halber Tag), Intensivlehrgang (3–5 Tage) oder Masterclass (mehrere Wochen). Achten Sie auf Gruppengröße (max. 6–8 Personen für effektives Lernen) und fragen Sie nach einer Teilnahmebestätigung. Klären Sie auch, ob Werkzeugnutzung und Materialkosten eingeschlossen sind: Manche Werkstätten berechnen das Eisen nach Gewicht für mitgenommene Stücke.
Erzählungen und Traditionen: Geschichten von Schmieden
Die Geschichten rund um die Schmiedekunst werden oft mündlich weitergegeben – auf Dorfplätzen, bei Patronatsfesten oder am Familientisch. Sie verbinden Anekdoten, Legenden und wirtschaftliche Fakten. Hier einige emblematische Erzählungen aus dem Latium, die das Wesen der Orte und die sozialen Bindungen in den Werkstätten greifbar machen.
Die Legende von der „Croce del Fabbro“ in Viterbo: Der Überlieferung nach rettete ein Schmied im 15. Jahrhundert die Stadt vor einem Brand, indem er mit einem großen Eisen-Gitter eine Straße absperrte, durch die das Feuer hätte überspringen können. Das Gitter – heute restauriert und in der Cattedrale di San Lorenzo (Piazza San Lorenzo 11, 01100 Viterbo) aufbewahrt – wird bei der jährlichen Stadtfeier als Zeichen der Dankbarkeit gezeigt; die Prozession hält vor der historischen Werkstatt (Officina Romano, Via San Pellegrino 7), um den Handwerkern Respekt zu zollen.

Arbeitergeschichte von Tolfa: Im 19. Jahrhundert schufen Bergbau und Eisenproduktion in Tolfa eine florierende lokale Wirtschaft. Bergarbeiter- und Schmiedefamilien bildeten enge Gemeinschaften; die Gemeindearchive bewahren Verträge und Inventare, die zeigen, wie Metall zirkulierte – Werkzeuge für die Landwirtschaft, Armierungen für den Bau und Teile für die Schifffahrt. Das Museo della Miniera e del Ferro (Piazza Municipio 1, 00059 Tolfa) stellt diese Dokumente aus und organisiert generationsübergreifende Treffen, bei denen ehemalige Bergleute von ihrem Leben berichten.
Familiäre Weitergabe und Moderne: Viele Werkstätten im Latium sind Ergebnis familiärer Überlieferung. In Sutri wandelte die Forgeria Battisti im 20. Jahrhundert ihr Geschäft: von nützlicher Produktion hin zu künstlerischer Gestaltung, bei gleichzeitiger Fortführung denkmalpflegerischer Restaurierungen. Familiengeschichten enthalten oft Anekdoten über prestigeträchtige Aufträge (Kirchenrenovierungen, Palastgitter) und technische Entscheidungen, die getroffen wurden, um die historische Integrität zu bewahren.

Feste und Riten: Mehrere Dörfer veranstalten Schmiedevorführungen im Rahmen ihrer Patronatsfeste. Diese Events sind oft gratis oder kostengünstig (zwischen 3,00 € und 10,00 € für Vorführungen) und ermöglichen dem Publikum, zu berühren, zu riechen und unter Aufsicht manchmal selbst mitzumachen. Für Fotografen und Filmer sind solche Feste ideale Motive – fragen Sie immer vorher um Erlaubnis zu filmen und respektieren Sie die Privatsphäre, wenn Familien persönliche Gegenstände präsentieren.
Praktische Tipps und nützliche Infos für Reisende
Damit Sie das Beste aus Ihrer Entdeckungstour zu Schmieden und Schmiedekunst im Latium herausholen, hier ein kompakter Praxisleitfaden: Logistik, voraussichtliches Budget, empfohlenes Equipment und nützliche Kontakte. Die Tipps gelten sowohl für Stadtbesuche als auch für ländliche Exkursionen.
Transport: Das Auto ist häufig das flexibelste Mittel, um kleine Schmieden und Museen auf dem Land zu erreichen. Nebenstraßen (SP und SR) können schmal sein; ein kompakter Wagen ist ratsam. Für Fahrten von Rom aus empfiehlt sich frühes Losfahren, um den Berufsverkehr zu vermeiden: Rom → Viterbo (A1 + SS2) dauert etwa 1:15 Std., je nach Verkehr. Regionalzüge (Trenitalia) bedienen Viterbo, Tivoli und Civitavecchia, aber einige Orte wie Tolfa oder Vallerano benötigen eine Busverbindung.

Orientierungsbudget: Rechnen Sie mit rund 30 € bis 60 € pro Tag für Besichtigungen und Verpflegung, wenn Sie Museen (5–10 €), bezahlte Vorführungen (10–60 € je nach Dauer) und ein Mittagessen in einer lokalen Trattoria (12–25 €) kombinieren. Für handwerkliche Käufe (Gitter, kleine Teile, Accessoires) variieren die Preise stark: Ein kleiner handgeschmiedeter Türgriff kann bei 40–60 € beginnen, ein maßgefertigtes Balkongeländer kann mehrere hunderte bis tausende Euro kosten. Bestehen Sie auf einen klaren Kostenvoranschlag.
Ausrüstung und Sicherheit: Packen Sie feste Schuhe, eine winddichte Jacke und Handschuhe ein, wenn Sie mitmachen wollen. Für die Fotografie deckt ein 35–70 mm Objektiv gut die Werkstattumgebung ab; ein lichtstarkes 50 mm ist ideal für Detailaufnahmen. Beachten Sie die Sicherheitsregeln der Werkstätten: Mindestabstand zum Herd, kein Berühren heißer Teile und Befolgen der Anweisungen des Meisters.

Sprache und Kommunikation: Die Landessprache ist Italienisch; in großen Museen und einigen touristischen Werkstätten wird oft Englisch verstanden. Für private Besuche oder kleine ländliche Schmieden reicht ein einfacher italienischer Satz oft schon, um das Eis zu brechen: «Buongiorno, vorremmo fare una visita alla vostra officina, è possibile?» (Guten Tag, wir würden gern Ihre Werkstatt besichtigen – ist das möglich?). Haben Sie stets die lokale Telefonnummer des Ateliers oder Museums dabei und, wenn möglich, den Kontakt zu einer Person, die Englisch spricht.
Verantwortungsvoll einkaufen: Bevorzugen Sie den direkten Kauf beim Handwerker (Werkstatt oder Markt), um die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Fragen Sie nach der Herkunft der Materialien (recycelt, lokal oder importiert) und nach Garantien (vor allem für Außenstücke). Denken Sie an den Transport: Schwere Stücke erfordern Versand per Spedition – erkundigen Sie sich nach Logistikpartnern der Werkstatt.
Fazit: Zwischen Bewahrung, Kreativität und Zukunft – die Schmiedekunst des Latiums heute
Die Schmiedekunst des Latiums ist mehr als nur ein museales Kuriosum: Sie ist eine lebendige Praxis, die Zeiten überdauert. Von Museen, die das Wissen um alte Techniken bewahren, bis zu zeitgenössischen Werkstätten, die Formen neu denken – die Schmiede verknüpfen Handwerk, soziale Geschichte und künstlerischen Ausdruck. Auf Ihren Streifzügen von Rom nach Viterbo, beim Zuschauen in Sutri oder Tolfa und im Gespräch mit Handwerkern wie denen der Forgeria Battisti oder der Bottega del Fabbro entdecken Reisende eine Welt, in der Material atmet und Geschichten erzählt.
Die in diesem Artikel vorgestellten Orte zeigen die Vielfalt der Zugänge: strikte Konservierung, denkmalgerechte Restaurierung, nützliche Produktion und zeitgenössische Kunst. Jeder Bereich bringt eigene Herausforderungen mit sich – Schutz von Techniken, Sicherung der Weitergabe, Anpassung an moderne Normen und die Suche nach einem tragfähigen Markt. Die Werkstätten im Latium stehen gemeinsamen Aufgaben gegenüber: Konkurrenz durch industrielle Fertigung, die Notwendigkeit, neue Kundengruppen zu finden, und der Bedarf, die nächste Generation auszubilden. Dennoch geben das wiederauflebende Interesse am Handwerk, erlebnisorientierter Tourismus und die Restaurierung denkmalgeschützter Objekte der Disziplin gute Perspektiven.
Für Besucher geht die Erfahrung über das bloße Beobachten hinaus: Sie haben die Chance, die Hitze zu spüren, den Hammerrhythmus zu hören, direkte Fragen an die Meisterschmiede zu stellen – und manchmal mit einem speziell für Sie geschmiedeten Objekt heimzukehren. Indem Sie diese Werkstätten unterstützen, an Kursen teilnehmen oder lokale Stücke kaufen, helfen Sie nicht nur, ein technisches Erbe zu bewahren, sondern stärken auch Gemeinschaften, die ein lebendiges Handwerk weiterführen.
Schließlich ist die Schmiedekunst des Latiums eine Einladung zu Langsamkeit und Achtsamkeit: Sie erinnert uns daran, dass Schönheit aus der Wiederholung einer Geste entstehen kann und dass der Wert eines Objekts ebenso sehr in seiner Funktion wie in der Geschichte liegt, die es trägt. Bei Ihrer nächsten Reise ins Latium lassen Sie sich vom Glühen einer Esse und den Stimmen der Schmiede führen – Sie kehren zurück mit eindrücklichen Bildern, Geschichten und vielleicht einem Stück Metall, warm von Geschichte und Poesie.




